Katja Kipping hat heute Geburtstag

Leitmotiv von Peter Weiss aus der “Ästhetik des Widerstands”, das KK seit vielen Jahren für eine solidarische und plurale LINKE bewegt: Verbindend, emanzipatorisch und feministisch.

In der Vorgeschichte dieser Partei wäre es undenkbar gewesen, in diesem Alter den Parteivorsitz zu übernehmen. Mitunter galten schon Männer in den Fünfzigern als junge Hoffnungsträger.

Zum Abschluss des vierten Lebensjahrzehntes bereits fünfzehn Jahre mit an der Spitze zu stehen – davon mehr als fünf Jahre als Vorsitzende – ist schon etwas Außergewöhnliches. Es mögen Zufälle im Spiel gewesen sein auf Katjas Weg dorthin – vielleicht ist sie hin und wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, in einer Krise oder als die Partei interessanter, jünger und weiblicher werden sollte.

Ganz sicher kein Zufall war es jedoch, dass sie sich dort behauptet hat. Das war hart erarbeitet. Ihr Fleiß, ihre Selbstdisziplin und ihr bewundernswertes Zeitmanagement waren dafür zwingende Voraussetzungen. Aber nicht allein protestantische Tugenden zeichnen sie aus. Eine kulturelle und intellektuelle Aufgeschlossenheit und Weltläufigkeit und die Fähigkeit zu eigenen Visionen, zu mutigen Gedanken gehören auch dazu. Sonst würden die Alten sie nicht immer wieder wählen und die Neuen nicht wegen ihr kommen.

Sie hat zu einer Zeit, als das „Bedingungslose Grundeinkommen“ noch als vollkommen abseitig galt, diese Idee in die Partei getragen, sie hat es verteidigt, dabei aber kluge Einwände in dialektischer Weise aufgenommen. Als Vorsitzende hat sie Sorge dafür getragen, dass das nunmehr fast im Mainstream liegende Thema nicht zum Fetisch wird sondern kritisches Weiterdenken herausfordert.

Nicht alle Eigenschaften gelten als Tugenden. Sicher war und ist Katja eine Netzwerkerin. Aber nicht des Netzes, sondern des gemeinsamen Werkes wegen. Und so war und ist sie als Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des Institutes Solidarische Moderne, Mitherausgeberin des Magazins „Prager Frühling“, Autorin mehrerer Bücher, Mitinitiatorin des Sozialtickets und der Kulturloge in Dresden nicht, wie bei Bundestagsabgeordneten sonst üblich, nur prominentes Gesicht oder „Schirmherrin“. Nein, nichts davon gäbe es heute so ohne ihre Leidenschaft und ohne ihre Leidensfähigkeit. Ohne beides wäre es auch kaum möglich, der eigenen Partei gleichzeitig als Galionsfigur und als Sündenbock zu dienen und dabei noch den Laden zusammenzuhalten.

Zu dem gleichermaßen als rund und als schwierig geltenden Geburtstag wünsche ich der begeisterten Tänzerin ein rauschendes Fest, für die Zeit danach Gesundheit und starke Nerven und im Übrigen viele weitere Jahrzehnte, nicht so stressig aber so schön wie die vier ersten.

 

Jens Matthis ist Stadtvorsitzender von DIE LINKE. Dresden