Wohnungslosigkeit in Deutschland – eine Schande nicht nur im Winter

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Meist bedarf es der sinkenden Temperaturen und anschwellender Weihnachtsvorfreude, dass sich die Gesellschaft jener erinnert, denen eines der elementaren Menschenrechte verwehrt ist: Das Leben in einer eigenen Wohnung. Dabei ist die winterliche Kälte nur ein Aspekt im Leben der wohnungslosen Menschen, einer, den Staat und Zivilgesellschaft meist notdürftig zu lindern vermögen. Mit Nachtcafes, Übergangswohnheimen und Wärmestuben.

Was jedoch nicht auf den Winter beschränkt ist, sondern das ganze Jahr wirkt, ist das Fehlen eines privaten Rückzugsraumes, eines Ortes der Geborgenheit und Sicherheit. Wer vermag es sich schon vorzustellen, ohne persönliche Erinnerungsstücke, ohne abschließbare Tür, in beständiger Angst, verjagt, beschimpft, bedroht, angegriffen oder bestohlen zu werden zu leben.
Nicht zuletzt ist die steigende Zahl der Wohnungslosen in Deutschland die Folge einer verfehlten Wohnungs- und Sozialpolitik: 860.000 Menschen in Deutschland sind gegenwärtig ohne Wohnung

Die Zahl aller Wohnungslosen stieg in Deutschland gegenüber 2014 um 150 Prozent, ohne wohnungslose Geflüchtete gerechnet um 26 Prozent. Ca. 52.000 Menschen leben laut Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ohne jede Unterkunft auf der Straße. Befürchtet wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Anzahl aller Wohnungslosen auf über 1,2 Millionen bis 2018.

Zuwanderung nicht Ursache von Wohnungsnot

Die Zuwanderung verschärft die Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit in Deutschland, ist aber nicht deren wesentliche Ursache. Die ist in einer verfehlten Wohnungs- und Sozialpolitik der letzten Regierungen zu suchen. Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper, der Bestand von Sozialwohnungen schrumpft, Kommunen, Bundesländer und der Bund verkaufen eigene Wohnungsbestände an private Investoren, Sozialleistungsbeziehende werden aus ihren Wohnungen vertrieben, weil sie Miete vom Armuts-Hartz-IV nicht mehr zahlen können.

Sofortiges Handeln tut Not

Es braucht daher eine radikale Kehrtwende in der Wohnungs- und Sozialpolitik: Wir wollen einen Neustart im sozialen Wohnungsbau. Eine neue soziale und nachhaltige Wohnungspolitik soll die Miete bezahlbar machen, Gewinne deckeln und in bezahlbare Wohnungen investieren. Niemand soll mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Miete ausgeben müssen. Außerdem muss das Wohngeldsystem reformiert werden, Hartz IV durch eine sanktionsfreie, individuelle Mindestsicherung in Höhe von derzeit 1050 Euro plus im Bedarfsfall Wohngeld ersetzt werden.
Ohne sofortige, entsprechende Initiativen ist zu befürchten, dass Realität wird, was der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, Thomas Specht, befürchtet: Die Zahl der Wohnungslosen könnte im Jahre 2018 bis auf 1,2 Millionen Menschen ansteigen.

 

 

 

MdB Katja Kipping ist Bundesvorsitzende der Partei DIE LINKE