Dr. Edith Franke zum 70. Geburtstag

12. Oktober 2012  DIE LINKE Stadtverband Dresden

Grußwort von Annekatrin Klepsch, gehalten auf dem Kolloquium der Dresdner Tafel e.V. zu Ehren der Tafel-Vorsitzenden Dr. Edith Franke anlässlich ihres 70. Geburtstages

Liebe Edith, im Namen des Stadtverbandes der LINKEN Dresden darf ich dir zu deinem heutigen 70. Geburtstag die besten Wünsche überbringen. Wer dich kennt, wer dich kennen lernen durfte, der weiß, dass du eine kämpferische und streitbare Person bist – oder, um es mit anderen Worten zu sagen – ein „Faktor und eine Triebkraft schöpferischer Masseninitiative“. Die Formulierung mag verwundern, doch sie ist dem Titel der 1971 von dir verfassten Doktorarbeit entlehnt. Damals ging es um automatisierte Kraftwerke, seit zwei Jahrzehnten setzt du deine Triebkräfte und dein Schöpfertum für die Armen dieses Landes ein. Liebe Edith, du warst und bist ein Mensch deiner Zeit, du hast in deinem Leben alle Höhen und Tiefen durchlebt. Als Kriegskind 1942 geboren in Cottbus, hast du Hunger und Leid erlebt. Die politische Verfolgung deiner Eltern, die Kommunisten waren, durch die Nazis, hat dich tief und für dein Leben geprägt. Als junge Frau wolltest du dem neuen Staat dienen, als Mensch in deiner Zeit, und wurdest SED-Parteisekretärin an der TU Dresden. Das ist dir später, in der neuen Bundesrepublik, vorgeworfen und zum Nachteil geworden. Erlaube mir, einem Menschen, der die DDR nur als Kind erlebt hat, Respekt zu zollen vor deinem Kommentar zu dieser Zeit, der heute in der Sächsischen Zeitung zu lesen ist: „Jedes Opfer war eines zu viel und humanistisch verboten.“ In den letzten zwei Jahrzehnten, als du selbst bitter erfahren musstest, wie zermürbend Arbeitslosigkeit sein kann, hast du dich nicht aufgegeben, sondern versucht, für andere Betroffene, denen es noch schlechter ging, etwas zu tun. Die Geschichte der Dresdner Tafel ist eine Erfolgsgeschichte, die vielen Armen in der Stadt das Leben erleichtert. Als Jugendpolitikerin unserer Landtagsfraktion kann ich bestätigen, dass auch zahlreiche Kinder- und Jugendtreffs wie „Puzzle“ und „Interwall“ in Dresden-Gorbitz mit den Tafelspenden arbeiten, weil ihnen dadurch erst ermöglicht wird, regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen zu kochen und gemeinsam zu essen. Dass die Dresdner Tafel eine Erfolgsgeschichte ist, ist dein Verdienst, liebe Edith, aber an einem Punkt muss ich dir widersprechen! Ich als Linke möchte nicht, dass es in zehn Jahren überhaupt noch einer Tafel bedarf in Dresden! Ich weiß, Edith, du willst gern noch zehn Jahre weiterarbeiten, aber ich gönne dir lieber Zeit mit deinen Kindern, Enkeln und Freunden und ich wünsche mir, dass Armut überwunden wird und niemand mehr in dieser Stadt und in diesem Land in zehn Jahren auf Lebensmittelspenden angewiesen ist! Liebe Edith, lass dich heute feiern, bleib gesund und im Namen des Stadtverbandes der LINKEN Dresden darf ich dir alles Gute, viel Kraft und Unterstützung für deine weiteren Vorhaben innerhalb und außerhalb der Dresdner Tafel wünschen!